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RAUS | Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Nochmal ganz von vorn anfangen, mitten im Wald und fernab unserer Gesellschaft? Rebellieren und einfach alles hinter sich lassen? In Philipp Hirschs Kino-Spielfilmdebüt RAUS ist der Name des Filmes Programm. Seine Protagonisten wollen raus! Sie wollen raus in die Natur und raus aus ihrem jetzigen Leben, möchten ausbrechen aus der heruntergekommenen Zivilisation. Jeder für sich, erst allein, dann zusammen. Dass dies jedoch alles andere als einfach ist, müssen sie schnell am eigenen Leib erfahren …

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© farbfilm verleih

Inhalt

„Unsere Welt ist am Arsch, weil die Falschen am Drücker sind!“ Das ist Glockes (Matti Schmidt-Schaller) Sicht auf die Dinge. Zumindest im Moment. Und vielleicht auch ein wenig, weil er selbst ganz und gar nicht am Drücker ist. Er versucht sich als Aktivist – gegen Kapitalismus, gegen Ungerechtigkeit in der Welt, für Naturschutz und gegen Tierversuche. Doch eigentlich geht es ihm darum, ein Mädchen zu beeindrucken. So auch, als er einen protzigen Luxuswagen anzündet … Leider wird Glocke dabei erwischt und gefilmt. Er kann fliehen, aber sein Bild geht schon durch die Medien.

Spontan schließt er sich einer Gruppe Fremder an, die sich im Netz verabredet haben. Sie folgen dem Ruf eines Unbekannten, der in den Bergen lebt und in der Rückbesinnung zur Natur den Weg in die Zukunft sieht. Sie alle wollen die Welt zu einem besseren Ort machen und tragen doch ein Geheimnis mit sich, möchten ihre Vergangenheit hinter sich lassen und aus dem System ausbrechen. Das ist ihr Ziel. Zunächst erleben die jungen Rebellen Glocke, Judith (Milena Tscharntke), Steffi (Matilda Merkel), Elias (Tom Gronau) und Paule (Enno Trebs) Tage der Freiheit und des Glücks. Doch dann wendet sich das Blatt …

Kritik

„Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ hallt es mir im Ohr, wenn ich an RAUS denke. Ähnlich wie Pippi Langstrumpf, die keinen gesellschaftlichen Konventionen folgen und lieber in ihrer eigenen, farbenfrohen und ohne wirklicher Verpflichtungen existierenden Universum leben mag. Nun gut, es ist vielleicht ziemlich weit hergeholt dieser Vergleich, aber sind die Parallelen dennoch sichtbar. So geht es auch in Philipp Hirschs Kino-Debüt um eine Gruppe Jugendlicher, die der wahren, falschen Welt nicht angehören wollen und lieben auf eigene Faust „Back to the Roots“ gehen. Das ursprüngliche Leben führen, ohne Schnick-Schnack, ohne Leistungsdruck und falschen Versprechungen, ohne irgendwelchen Leuten, die Wasser predigen und Wein trinken. Stattdessen folgen sie einem Fremden ins gelobte Land. Raus steht sinnbildlich für eine orientierungslose Jugend. Packend und visuell nüchtern eingefangen, erleben wir fesselnde Minuten des Glücks und der Freiheit, bis zu einem Punkt, der alles aus dem Ruder zu laufen scheint. Dramaturgisch zeitgemäß mit ordentlicher Gesellschaftskritik, verliert der Streifen doch im weiteren Verlauf etwas an Fahrt, denn Hirschs Film sucht irgendwann selbst nach dem richtigen Weg. So schweben wir nicht selten als Zuschauer von Wolke zu Wolke, in der Hoffnung irgendwann unseren Messiahs zu finden. Dabei stoßen wir auf blanke Anarchie. Denn wo das scheinbar geregelte Leben aufhört, beginnt die (Selbst-)Zerstörung. Und so platzen irgendwann die Seifenblasen und die Vorstellung einer neuen, perfekten Welt bricht wie ein Kartenhaus zusammen. Während sich also die Kids immer weiter aufreiben und ihre persönlichen Probleme zum Problem aller erklären, verliert Raus an Zustimmung. Auseinandersetzungen fressen den treibenden Gedanken auf, bis er am Ende doch nochmal aufkeimt. Gibt es tatsächlich eine Alternative, in der wir existieren können?

Fazit: Richtig aussteigen für Dummies! Jugendliche brechen in eine unbekannte Welt auf, weil ihnen die alte nicht gefällt. Dabei verlieren sie sich und ihre Nerven bis zur totalen Erschöpfung. Alles neu, bedeutet nicht automatisch besser und so bleibt der harte Kampf um Alternativen. Wir wollen raus und die Welt verändern und uns erleben und entdecken. Klassische Züge eines Coming-of-Age-Films mit dem gewissen Etwas.

FSK ab 12 (grün)Originaltitel:           Raus
Produktionsland/-jahr:   DE 2018
Laufzeit:                101 min
Genre:                   Drama, Abenteuer, Thriller

Regie:                   Philipp Hirsch
Drehbuch:                Philipp Hirsch, Thomas Böltken
Kamera:                  Ralf Noack

Kinostart:               17. Januar 2018
Home Entertainment:      -

Verleih:               farbfilm verleih

(Quelle: farbfilmverleih)

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