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ENDZEIT | Etwas Neues wird entstehen

Zombies in der Thüringer Provinz, eine Freundschaft zwischen zwei sehr unterschiedlichen Protagonistinnen und eine Geschichte geschrieben, inszeniert und produziert von Frauen. Regisseurin Carolina Hellsgård präsentiert nach „Wanja“ ihren zweiten Film ENDZEIT und zeigt damit ein Szenario auf, von dem wir uns als Gesellschaft nicht mehr all zu weit entfernt bewegen.

Endzeit_Hauptplakat_01

© farbfilm verleih

Inhalt

Zwei Jahre nachdem Zombies die Erde überrannt haben, sind Weimar und Jena dank eines Schutzzauns die vermutlich letzten Orte menschlicher Zivilisation. Die 22-jährige Vivi (Gro Swantje Kohlhof) und die 26-jährige Eva (Maja Lehrer) müssen, als sie sich schutzlos zwischen den beiden Städten auf freiem Feld wiederfinden, wohl oder übel gemeinsam den Kampf gegen die Untoten aufnehmen. Ihre Reise führt sie in die Apokalypse, in der in Abwesenheit der Menschen eine berauschend schöne Natur die Oberhand gewonnen hat.

Kritik

Zombies überrennen Deutschland und zwei geschichtsträchtige Orte unserer Kultur werden zum sicheren Hafen der letzten Menschen auf der Welt. Weimar und Jena bieten eben nicht nur Geschichte zum Anfassen, sondern in Zeiten der Apokalypse eben auch Schutz vor einer Seuche und gefräßigen Untoten. ENDZEIT wird seinem Titel gerecht: Etwas Neues ist dabei zu entstehen. Die Welt wird reingewaschen. Gesäubert von den Missetaten seiner Bewohner. Dass dieses FSK 16-Feuerwerk wenig actionreich daherkommt, wundert in Anbetracht seiner Handlung nicht. Hätte es aber in erster Linie auch nicht wirklich gebraucht. Regisseurin Carolina Hellsgård konzentriert sich vornehmlich auf einen anderen Aspekt der Unterhaltung: Mit den richtigen Mitteln zu schocken und zum Nachdenken anzuregen. Zombies sind da nur ein loses Beiwerk, der Antrieb stetig in Bewegung zu bleiben und niemals die Gefahr des Ablebens aus den Augen zu verlieren. Es ist ein Antrieb, sein Leben Revue passieren zu lassen. 

An einem Punkt völliger Aussichtslosigkeit dennoch nach vorne zu blicken, dahinter versteckt sich die Kunst dieses Films. Er lädt mit seiner klugen und fast schon märchenhaften Erzählung fast schon dazu ein, alles zu kritisch zu hinterfragen. Gerade in Zeiten, in der die Erde und seine Bewohner durch Habgier, Profit und Dummheit am Rande des Abgrund stehen. Die Wälder brennen, die Ernten fallen aus, Massensterben und Klimawandel. Der Schaden ist groß und so sind es eben nicht die Zombies, die zwei Frau auf ihrem Pfad der Gerechten, jagen, sondern das Echo eines rücksichtslosen Lebensstils, einer Ausbeutung ohne Sinn und Verstand. Was bei Noah die Flut ist, ist in Endzeit die Flut an Zombies.

Ein intensives, mehrschichtiges und zugleich wegweisendes Werk aus Deutschland, dass ebenso auch großen Respekt im Ausland genießt und auf diversen Festivals gebührend gefeiert wurde. Es rüttelt nicht nur den Kopf eines jeden Zuschauers durch, es hinterlässt tatsächlich ein beklemmendes und reales Bild zurück. Ein Bild im Rahmen, ausgestellt in der Galerie von Sodom und Gomorra. Inwieweit Hellsgård vielleicht auch religiöse Aspekte hat einfließen lassen, lässt nur Raum für Spekulationen und Interpretationen. Dafür würde aber hier zu viel Zeit drauf gehen und ich würde mich als Unwissender eventuell in den zahlreichen Zeiten religiöser Schriften verlieren. Bleiben wir also einfach dabei: Der Mensch hat Mist gebaut, wird durch was „Neues“ ersetzt und zwei Frauen versuchen herauszufinden, wieso. Das deutsche Genrekino lebt und macht Zombies gleichzeitig zum Instrument der Vernichtung und Hoffnungsträger einer besseren Welt. Respekt für so viel Weitsicht und Tiefgang.

Fazit: Deutschland, Europa und die ganze Welt: Endzeit markiert ein dunkles und zugleich mögliches Kapitel der Menschheit, in der der Homo Sapiens seine Chance nicht genutzt hat und eine neue Lebensform den Planeten beginnt einzunehmen. Zwei Frauen stellen sich dieser scheinbar ausweglosen Konstellation und versuchen Antworten auf Fragen zu finden, die sie vielleicht niemals verstehen werden. Für mich einer der besten deutschen Filme seit Langem, der mutig und clever vorgeht und eine starke inhaltliche Expertise besitzt. Dennoch werde ich den Eindruck nicht los, als würden da auch Zitate vom Netflix-Hit Auslöschung tief verwurzelt ihre Kreise ziehen.

FSK ab 16 (blau)Originaltitel:           Endzeit - Ever After
Produktionsland/-jahr:   DE 2018
Laufzeit:                90 min
Genre:                   Horror

Regie:                   Carolina Hellsgård
Drehbuch:                Olivia Vieweg
Kamera:                  Leah Striker

Kinostart:               22. August 2019
Home Entertainment:      24. Januar 2020  

Verleih:                 farbfilm verleih/Lighthouse Home Entertainment

(Quelle: farbfilmverleih)

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