IN MY SKIN (1)

IN MY SKIN | Vom Regen in die Traufe

LOST-Star Adewale Akinnuoye-Agbaje hat mit IN MY SKIN seine eigene, unglaubliche Geschichte verfilmt und damit ein gefeiertes und zugleich intensives Skinhead-Drama geschaffen, dass aufrüttelt.

In my Skin_Plakat

© Koch Films

Inhalt

Trotz seiner dunklen Hautfarbe wird der Teenager Enitan mitten in der sozialen und rassistischen Gewalt der 80er-Jahre zum gefürchteten Anführer einer zu allem bereiten Skinhead-Gang. Dabei wurde er von seinen nigerianischen Eltern bei einer britischen Arbeiterfamilie untergebracht, in der Hoffnung, ihm dadurch eine bessere Zukunft als in seiner Heimat bieten zu können. Gefangen in einer sich unaufhörlich drehenden Gewaltspirale, steht bald nur noch sein Gewissen zwischen ihm und dem unvermeidlichen Absturz. Aber sein Ausstieg aus der Hooligan-Szene gestaltet sich als alles andere als einfach…

Kritik

Ich kann mich noch sehr gut an mein erstes Mal mit Hooligans oder American History X erinnern. Bereichert durch eine vielsagende Geschichte, aber gleichsam schockiert zurückgelassen, versuchte ich das Gesehene zu verstehen und entsprechend einzuordnen. Wie schonungslos und brutal der Einstieg in die Szene und auf anderer Seite der Ausstieg proträtiert wurden, haben mich teilweise sehr sprachlos gemacht. Schenkte mir aber auch ein Stück Hoffnung, dass nicht Seele, die einmal das Böse gekostet, für immer verloren sind. Aber die Säuberung des Geistes vom Schlechten fordert große Opfer – meist verliert einer oder mehrere sogar als drastische Erkenntnis und Maßnahme ihr Leben. So wie du in den Wald hineinrufst, so schallt es eben auch heraus.

Nun habe ich mich an ein vergleichbar konsequentes Werk getraut, was ebenfalls die gleichen Emotionen in mir  hervorgerufen haben. Ein Stück Betroffenheit über das doch fragwürdige System und Verhalten Einzelner. IN MY SKIN ist dabei authentisch, ungeschönt und hart. Akinnuoye-Agbajes Debüt beruht auf seiner Lebensgeschichte, sprich eine Reise zurück zu den Anfängen, der Entwicklung und der Schwelle zum jetzt. Für den einen wirkt der Ausflug in die Vergangenheit überladen, überspitzt und gespickt mit Klischees. Doch weil eben Akinnuoye-Agbaje quasi sich selbst und seine Erlebnisse inszeniert, erhält das eine ganz andere Bedeutung und Tragweite.

Es ist ein intensives Drama und eine Aufarbeitung von Alltagsrassismus in einem Arbeiter-England der 1960er- bis 1980er-Jahre, und skizziert Herkunft und Hautfarbe als Motivation für umgekehrten Fremdenhass. Gewalt und Gegengewalt, Überleben und Kämpfen an vorderster Front krimineller Spitzen. Alles wird vermischt, aber die klare Linie des Problems bleibt. Jeder muss sich am Ende selbst die Frage stellen, ob unser Hauptakteur immer richtig gehandelt hat oder es auch andere Auswege aus der „Krise“ gab. In my Skin ist großes Kino; eine emotionaler Seelenstrip und Selbstfindung, dass schmerzt, unterhält und sehenswert ist.

Fazit: Ein berührender Hilfeschrei, der damals nicht erhört wurde, aber heutzutage dafür umso größeren Anklang und Resonanz findet. In my Skin ist Hoffnungsschimmer, Ausweg und Sackgasse in einem – eben dieser Mix macht diesen Film in seinem gesamten Ausmaß besonders und auch so empfehlenswert.

FSK ab 16 (blau)Originaltitel:           In my Skin
Produktionsland/-jahr:   UK 2018
Laufzeit:                107 min
Genre:                   Drama, Biografie

Regie:                   Adewale Akinnuoye-Agbaje
Drehbuch:                Adewale Akinnuoye-Agbaje
Kamera:                  Kit Fraser

Kinostart:               - 
Home Entertainment:      30. Januar 2020

Verleih:                 Koch Films

(Quelle: KOCH FILMS Deutschland)

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