Fanny#3@Alamode

DIE ERLÖSUNG DER FANNY LYE | Eine Frau zwischen Wagnis und Unheil

In DIE ERLÖSUNG DER FANNY LYE wird das heraufziehende Unheil, das unter der durch religiöse Repressionen geprägten Oberfläche gärt, förmlich greifbar. Die Spirale aus sexueller Unterdrückung und Gewalt hängt durch das intensive Spiel von u.a. Maxine Peake und Charles Dance wie ein Schatten über diesen einfachen Leuten. Die bösen Kräfte scheinen von den gottesfürchtigen Christenmenschen immer stärker Besitz zu ergreifen – bis hin zu einem Finale, das eine überraschende Wendung bereithält.

DVD Fanny Lye

© Alamode Filmverleih

Inhalt

1657, auf einem abgelegenen Bauernhof in Shropshire: Fanny Lye lebt mit ihrem Ehemann John und dem kleinen Sohn Arthur ein Leben in puritanischer Strenge. Eines Morgens, als die Familie in der Kirche ist, suchen zwei ungebetene Besucher Zuflucht in ihrer Scheune: der charismatische Thomas und seine junge, sinnliche Begleiterin Rebecca, beide nackt wie Adam und Eva. Die Welt von Fanny Lye wird durch die unerwartete Ankunft der beiden Fremden, die von einem unerbittlichen Sheriff und dessen Constable verfolgt werden, auf den Kopf gestellt. Fanny entdeckt neue, aufregende Möglichkeiten fernab ihres freudlosen Lebens – doch der Preis dieser Offenbarung ist hoch.

Kritik

Tief durchatmen und sacken lassen. Wer hätte gedacht, dass ich nach knapp zwei Stunden derart mitgenommen aus einen Film gehe. Vieles sprach zunächst nicht dafür. Mitunter sind deutsche Cover-Gestaltungen und „verdeutschte“ Titel oft ein Ärgernis spiegeln sie nur selten den wahren, geistvollen Inhalt wieder. Prominentestes Beispiel ein Superheldenfilm: Thor – Tag der Entscheidung ist das eine, während international die so viel griffigere Betitelung Thor – Ragnarok (passend auch zur nordischen Mythologie) gewählt wurde. Warum unterschätzt man den deutschen Filmgucker so fahrlässig. Gleiches Spiel eben auch bei DER ERLÖSUNG DER FANNY LYE. Mit dem Titel kann ich mich irgendwie arrangieren, aber die wirkt das Cover alles andere als einladend. Es schreit für mich stark nach B-Movie und das wird diesem unfassbar starken und mutigen Film nicht gerecht. Generell ist der Film unter dem Radar gelaufen. Vielleicht auch bedingt durch die aktuelle Lage, aber womöglich eher ein Vor- als ein Nachteil. Generell ist der Film ein Spagat zwischen geheimnisvoll, bildgewaltig und rigoros. Gerade für eine so unscheinbare Produktion überrascht das Setting. Die Bildsprache ist opulent. Die Darsteller leidenschaftlich und trefflich gewählt. Die Geschichte um Fanny Lye und ihrem Weg zu Erkenntnis, Erweckung und Selbstfindung ist spektakulär, ergreifend und geht an die Substanz des Zuschauers. Maxine Peake, Charles Dance uvm. überzeugen in ihren Rollen und liefern ein beeindruckendes Spiel ab. Die Farm im englischen Nirgendwo ist ein schaurig-schöner Ort. Alles spielt hier in die Karten von Thomas Clay, der einen stark unterschätzten Film abgeliefert hat. Atmosphäre, Musik, Performance – es ist die Heimkino-Überraschung für mich in diesem Februar.

Fazit: Lieber erzähle ich zu wenig, als zu viel, denn tatsächlich könnte jeder Satz zu viel sein. Jedes Detail ein zu großer Wink. Es lohnt der Griff zu diesem feinen Stück, dass unter die Haut geht. Berührt und gleichzeitig auf so vielen Ebenen schockiert. Die Erlösung der Fanny Lye sprengt mutig die gewohnten Konventionen des Kinos und zeigt, welche Möglichkeiten es in der Filmschmiede noch gibt. 

FSK 18 (rot)Originaltitel:           Fanny Lye Deliver'd
Produktionsland/-jahr:   UK/DE 2019
Laufzeit:                112 min
Genre:                   Horror, Historie, Thriller

Regie:                   Thomas Clay
Drehbuch:                Thomas Clay
Kamera:                  Giorgos Arvanitis

Kinostart:               - 
Home Entertainment:      26. Februar 2021

Verleih:                 Alamode Film

(Quelle: vipmagazin)

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