COME ON, COME ON | Kunterbuntes Schwarzweiß

Mit COME ON, COME ON setzt der Oscar®-nominierte Regisseur und Drehbuchautor Mike Mills eine durch die viele Gespräche mit dem eigenen Sohn inspirierte Geschichte um. Ein einfühlsamer Schwarz-weiß-Film, der international mit vielen Kritikerpreise bedacht wurde – zu Recht.

.INHALT.

er New Yorker Radiojournalist Johnny (Joaquin Phoenix), der nach einer langen Beziehung wieder Single ist, arbeitet an einer Reportage, für die er Jugendliche in den gesamten USA zu ihrer Zukunft befragt. Doch nach einem Anruf seiner Schwester Viv (Gaby Hoffmann) muss er sich unerwartet um ihren Sohn kümmern, den neunjährigen Jesse (Woody Norman). Es ist das erste Mal, dass Johnny wirklich mit dem Thema Elternschaft in Berührung kommt und die Verantwortung für ein Kind übernehmen muss. Und für den ebenso aufgeweckten wie sensiblen Woody ist es das erste Mal, dass er längere Zeit von seiner Mutter getrennt ist.

Gemeinsam begeben sie sich auf einem Roadtrip quer durch die USA, auf dem Johnny versucht, sein Radioprojekt fertigzustellen, und mit jungen Menschen über Träume, Ängste und Hoffnungen spricht. Zwischen den beiden entsteht nach und nach eine tiefe, emotionale Verbindung, und die Reise mit all ihren Höhen und Tiefen verändert Onkel und Neffen für immer.

© DCM

.KRITIK.

Es ist kurios, wie schnell die Zeit vergeht. Gefühlt gestern hat Joaquin Phoenix für seine beispiellose Darbietung als aufstrebender Joker einen Oscar® gewonnen und nun erleben wir ihn in einem zwar ruhigerem, aber nicht minder eindrucksvollen Kunstwerk.

[ Zum Nachlasen: JOKER | Euch wird das Lachen noch vergehen ]

Kunstwerk, weil Regisseur Mike Mills ein beliebtes Stilmittel verwendet: schwarz-weiß. Diese farbliche Tristesse mag langweilig wirken, doch schärft sie gerade hier die Sinne und legt den Fokus auf die einfachen, aber wichtigen Themen. Auch der deutsche Beitrag Oh Boy aus dem Jahr 2012 hat sich dieses Mittel zum Zweck gemacht – mit Erfolg, wie wir uns erinnern.

Und doch wirkt dieses etwas andere Roadmovie trotz seiner monotonen Zweifarbigkeit kunterbunt. Dabei steht kunterbunt für liebevoll, tiefgründig und wertvoll. Die Beziehung zwischen einem Radiomoderator und seinem Neffen ist toll erzählt. Und auch die Entwicklung, die beide im Verlauf der 109 Minuten nehmen, ist erfrischend und trifft den Nerv der Zuschauer. Auch wenn wir uns hier bewusst ein Drama ansehen und der Film auch alle Kriterien dafür erfüllt, so gibt es auch diese fantastisch und humorvoll angehauchten Augenblicke. Alles geht dann über einen eine Momentaufnahme, die an ein Foto erinnert. Sehen wir uns dieses an, so erinnern wir uns und lächeln. Doch vergessen wir dann am Ende doch nicht, worum es schließlich geht.

Die elementaren Themen wie Elternschaft und die Perspektive der Kinder sind spürbar, doch oft Recht vage formuliert, doch reicht es für die so wichtige Botschaft. Sorgen, Nöte und Wünsche der Kleinsten verpackt in einem Roadmovie, „moderiert“ durch Phoenix, ist beeindruckend. Wenngleich COME ON, COME ON eine gewisse Traurigkeit innewohnt, so ist er in der Gesamtheit erfreulich und lebensbejahend. Ein waschechtes Indie-Highlight mit zwei eingespielten Schauspielern, die trotz ihrer alters- und erfahrungsbedingten Kluft, voneinander lernen und sich gegenseitig zur Höchstform motivieren. Was sich nicht zuletzt auch in der wunderbaren Chemie und Kurzweiligkeit niederschlägt.

.FAZIT.

Einmal durchatmen! Regisseur Mike Mills bändigt den Joker und gibt ihn eine andere Aufgabe. Die Aufgabe eines „Vaters“, der durch das Land streift und eine Beziehung zu seinem Neffen aufbaut, wenn nicht sogar intensiviert. Es ist die etwas andere Selbstfindung. Es ist die Reflexion von Verpflichtungen, Elternschaft und Verantwortung im Kontext kindlicher Erwartungen, Sorgen und Wünsche. Es macht einfach Spaß, das Gespann zu begleiten und ihnen auf dieses einmalige Abenteuer über die Schulter zu blicken. Großes emotionales Kino zum Schmunzeln, Nachdenken und Loslassen.



OriginaltitelC’mon C’mon
Produktionsland/-jahrUSA 2021
Laufzeit109 min
GenreDrama
RegieMike Mills
DrehbuchMike Mills
KameraRobbie Ryan
Kinostart24. März 2022
Home Entertainment
VerleihDCM

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