DAS PIANO | Eine Melodie am Ende der Welt

Das Oscar-prämierte Meisterwerk von Jane Campion über die Selbstbefreiung einer Frau im 19. Jahrhundert. DAS PIANO erscheint erstmals restauriert in 4K!

.INHALT.

Mitte des 19. Jahrhunderts: Die stumme Ada (Holly Hunter) wird mit ihrer kleinen Tochter am Strand von Neuseeland abgesetzt um eine arrangierte Ehe mit einem ihr völlig fremden Mann (Sam Neill) einzugehen. Ada ist scheu und verschlossen – der wichtigste Gegenstand in ihrem Leben ist ein Piano, das sie aus Europa mitgebracht hat. Doch ihr Gatte Stewart verkauft das Instrument an den Nachbarn Baines (Harvey Keitel). Baines macht Ada daraufhin ein Angebot: Gegen gewisse körperliche Zuwendungen kann sie das Piano Stück für Stück zurückerwerben…

© STUDIOCANAL


.KRITIK.

Umso älter ich werde, desto mehr Filme hole ich aus der Zeit nach, als ich noch in den Kindergarten ging. Gerade zu Beginn der 90er Jahre erschienen viele Filme, die heute als absoluter Klassiker gelten – und so auch Jane Campions meisterhaftes Liebesdrama DAS PIANO.

Eine Geschichte vom anderen Ende der Welt. Eine stumme Frau und ihre Tochter landen in Neuseeland. Ihre Zukunft hält viel Ungewisses bereit, so auch eine arrangierte Ehe. Alles was jedoch Ada, gespielt von einer herausragenden Holly Hunter, noch an ihre unbeschwerte Vergangenheit in der Heimat erinnert, ist ein Piano. Ein sinnliches und zugleich anmutendes Instrument, dass Ada eine Stimme gibt. Im Einklang der Melodie fühlt sie sich frei. Doch als ihr Mann Alisdair eines Tages beschließt, das Piano an den Nachbarn Baines zu verkaufen, bricht ihre Welt endgültig zusammen. Trotz des Einsatzes von Adas Tochter, die sich daraufhin verbal in einer ungleichen Konfrontation mit ihrem „Stiefvater“ sieht, nimmt es Baines schließlich nach wenigen Verhandlungen an sich und hat damit unweigerlich einen Trumpf in der Hand. Er erkennt, dass das Piano der Schlüssel zu Ada ist und sie lässt sich auf einen verhängnisvollen Tausch mit ihm ein. Sie darf spielen, solange sie Baines tiefste und intimste Träume erfüllt. So ergibt sich eine fragwürdige Dreiecksbeziehung, die ohne Kompromisse auf einen emotionalen Showdown hinausläuft.

Holly Hunter als die stumme Ada gibt einen unvergesslichen Performance ab. Ihr Schauspiel geht unter die Haut. Ihr subtiles Spiel macht uns die stillen Emotionen ihrerseits fast körperlich spürbar. Wir hören nicht viele Worte, doch diese reichen. Die Musik spricht zu aus. Einerseits aus dem Piano, andererseits über den aufgeladenen Soundtrack von Michael Nymann, der die gesamte Handlung rahmt. Ebenso ausgezeichnet agieren Sam Neill und Harvey Keitel, sowie die äußerst junge Anna Paquin, welche neben Holly Hunter und Jane Campion (für das Drehbuch) einen Academy Award bekam – verdientermaßen.

Jane Campion hat viel dafür getan, Gänsehautmomente en masse zu kreieren. Die düstere, von Grün-Tönen der Natur geprägte Bebilderung löst einen düsteren Rausch aus, der die Sehnsüchte zentralisiert. Schwer, erdrückend, düster, obsessiv, malerisch, befreiend. Ein unkonventionelles Meisterwerk – zweifellos. Ganz großes Kino und ein Klassiker, der in keiner Filmsammlung fehlen darf.

.FAZIT.

Bewusst künstlerisch, erotisch und doch feinfühlig. Das Piano ist die Reise einer Frau, die stumm den Einbruch der Welt über sich erträgt, um dem einzig wirklichen „Ding“ nah zu sein, welches ihr eine Stimme verleiht. Emotionale Geschichte, die zwei Stunden einiges von uns abverlangt, aber sich lohnenswert ergiebig und kurzweilig zeigt.



OriginaltitelThe Piano
Produktionsland/-jahrAustralien, Frankreich 1993
Laufzeit121 min
GenreDrama, Musik, Romanze
RegieJane Campion
DrehbuchJane Campion
KameraStuart Dryburgh
Kinostart12. August 1993
Home Entertainment2. November 2004 (DVD-Release)
VerleihSTUDIOCANAL / Arthaus Classic

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