Authentisch, liebevoll und mit viel Esprit erzählt die feinsinnige Komödie von Marc Rothemund, wie ein Vater und sein autistischer Sohn aus ihrem Alltag ausbrechen und auf ihren gemeinsamen Touren zu verschworenen WOCHENENDREBELLEN werden.
.INHALT.
Mirco (Florian David Fitz) ist beruflich bedingt viel unterwegs, während seine Frau Fatime (Aylin Tezel) das fordernde Familienleben organisiert. Ihr zehnjähriger Sohn Jason (Cecilio Andresen) ist Autist und sein Alltag besteht aus täglichen Routinen und festen Regeln. Als der Familie Jasons Wechsel auf eine Förderschule nahegelegt wird, ist auch Mirco als Vater gefordert. Er schließt einen Pakt mit seinem Sohn: Jason verspricht, sich alle Mühe zu geben, sich in der Schule nicht mehr provozieren zu lassen, wenn Mirco ihm hilft, einen Lieblingsfußballverein zu finden. Allerdings will Jason sich erst für einen Verein entscheiden, wenn er alle 56 Mannschaften der ersten, zweiten und dritten Liga live in ihren jeweiligen Stadien gesehen hat. Dabei hat er sehr individuelle Kriterien – von Maskottchen, Nachhaltigkeit über Rituale der Spieler bis hin zu den Farben der Fußballschuhe. Auf ihren außergewöhnlichen Reisen durch Deutschland lassen Vater und Sohn die heimische Routine hinter sich und finden alles, was sie nie gesucht, aber definitiv gebraucht haben.
.KRITIK.
Marc Rothemund verfilmt mit WOCHENENDREBELLEN den autobiografischen Erfahrungsbericht von Mirco von Juterczenka. Vor zehn Jahren begann Mirco in einem Blog von seinen Abenteuern mit seinem damals sechsjährigen autistischen Sohn Jason zu berichten. Der Film vereint einfühlsam und humorvoll Spannung, Emotionen und Geschichte zu einer ermutigenden Reise.
Als Jason, nunmehr zehn Jahre alt, in der Schule Probleme hat, schlägt sein Opa vor, dass er eine Lieblingsfußballmannschaft braucht. Jason erstellt akribisch Kriterien für seinen Lieblingsverein, und sein Vater Mirko entwickelt die Idee, gemeinsam die Bundesrepublik zu bereisen, um zu überprüfen, ob die Vereine diesen Kriterien erfüllen. Diese Reisen sind nicht nur für Jason eine Herausforderung, sondern auch für seinen Vater. Gemeinsam müssen sie immer wieder Wege finden, schwierige Situationen zu meistern und gleichzeitig Fortschritte zu erzielen.
In Wochenendrebellen werden Konfliktsituationen authentisch dargestellt, ohne sie zu beschönigen. Hier geht es nicht um die Frage, wer Schuld hat, wenn es mal schwierig wird. Gemeinsam finden sie dann schließlich einen Weg und gehen zur nächsten Etappe über. Dies wirkt keineswegs naiv – im Gegenteil. Der Film gibt durchaus Lösungsansätze für derartige Situation und bietet gleichzeitig auch die Möglichkeit, eine autistische Welt zu erfahren, die für viele von uns unbekannt ist. Ein fremder Erfahrungsbericht wird dadurch quasi zu unserem eigenen und das ist hier wirklich gut gelungen. Authentizität ist hier der Schlüssel. Klischees sind natürlich, für einen deutschen Film üblich, durchaus vertreten, aber wirkt alles nicht so unangenehm. Es wirkt real. So helfen auch die Einbindungen von Szenen aus echten Fußballstadien, die diesen Eindruck nicht nur verstärken, sie erweitern auch die verbindende und emotionale Natur der Fans zum Fußball. Diese Bindung, diese Wirklichkeit, hilft maßgeblich alles ein bisschen besser zu verstehen.
Und natürlich tragen auch die beiden Hauptdarsteller zu diesem positiven Effekt viel bei: Florian David Fitz verkörpert einfühlsam einen Vater, der alles für seinen Sohn tun möchte, aber oft überfordert ist. Seine Darstellung der Widersprüche erleichtert die Identifikation; er ist keine Maschine, sondern hat die ganz üblichen Züge eines Vaters, der auch mal verzweifeln und weinen darf. Cecilio Andresen als Jason schafft es wiederum, seine schwierige Lebenssituation verständlich zu machen, mit seinen selbstgesetzten Regeln, die manchmal hinderlich sind. Er kann mit seiner Rigidität und Hilflosigkeit nerven, bleibt jedoch sympathisch und nachvollziehbar, ohne ins Kitschige abzudriften. Joachim Król als Opa und Aylin Tezel als mitfühlende Mutter setzen ebenfalls subtile Akzente. So wird der Film nicht zu einem plakativen Film, der es allen recht machen möchte. Er widmet sich auch den schwierigen Fragen und Situationen, die mit Autismus unweigerlich aufkommen. Dieser intime Einblick gelingt und macht den Film somit fast zu einer sehr wirklichkeitsnahen Dokumentation beziehungsweise emotionalen Momentaufnahme.
.FAZIT.
Wochenendrebellen scheut sich nicht vor den positiven oder negativen Gefühlen. Der Film behandelt das Thema Autismus auf einfühlsame Weise und ermutigt zur Auseinandersetzung damit. Neben den schauspielerischen Leistungen und der Regie tragen dieses „Mittendrin statt nur dabei“ und ergreifenden Stadionmomente dazu bei, Jasons Empfindsamkeiten und Mircos Vatersein realistisch, humorvoll, aber vor allem emotional uns Zuschauer zu zeigen.
| Originaltitel | Wochenendrebellen |
| Produktionsland/-jahr | Deutschland 2023 |
| Laufzeit | 109 min |
| Genre | Komödie, Drama, Biografie |
| Regie | Marc Rothemund |
| Drehbuch | Richard Kropf |
| Kamera | Philip Peschlow |
| Kino | 28. September 2023 |
| Home Entertainment | – |
| Verleih | LEONINE STUDIOS |

