WOLFKIN | Ein Teenager entdeckt den Werwolf in sich

Spannender wie unkonventioneller Werwolf-Horror aus Europa. In WOLFKIN stellt eine Mutter plötzlich ein komisches Verhalten an ihrem Sohn fest und sucht Rat bei den Eltern des Vaters. Die wissen sofort, was los ist und stellen den Jungen auf eine gefährliche Probe. Schließlich geht es hier um weitaus mehr als nur einen Mythos…

.INHALT.

Nachdem der 10-Jährige Martin (Victor Dieu) Mitschüler brutal gebissen hat, bringt ihn seine Mutter Elaine (Louise Manteau) zu den Eltern seines Vaters. Diese wussten bisher nichts von seiner Existenz, doch Elaine hat Fragen. Denn Martin hat sich sehr verändert. Auf dem luxuriösen Anwesen kommt es zu mysteriösen Zwischenfällen. Martin entwickelt einen immer größeren, grauenhaften Hunger auf menschliches Fleisch…

©️ Tiberius Film

.KRITIK.

Eine alleinerziehende Mutter gibt jeden Tag alles, um das Leben ihres Sohnes Martin so normal wie möglich zu gestalten. Doch plötzlich häufen sich Anschuldigungen, die sie ihn große Sorge versetzen. So soll Martin einen Schüler brutal gebissen haben und auch sein Verhalten verändert sich spürbar. Um ihm zu helfen, entscheidet sie sich, ihn auf das Land zu seinem Vater und dessen Eltern zu bringen. Doch ihre unterschiedlichen Wertvorstellungen führen zu Spannungen und Unsicherheit über seine Zukunft. Schließlich trägt Martin ein dunkles Geheimnis in sich, dass für alle Beteiligten zu einer tödlichen Gefahr werden könnte.

WOLFKIN ist ein faszinierender Genrebeitrag, der zwar einige Mängel aufweist, aber dennoch mit einem beeindruckenden Setup und Idee aufwartet. Den klassischen Werwolf-Mythos in gewisser Weise zu modernisieren und sie in eine Coming-of-Age-Geschichte zu verpacken, sehe ich als sehr positiv an. Hinzu kommen auch noch übernatürliche Elemente, die das Ganze erfrischend würzen.

Die Konflikte zwischen traditionellen und modernen Werten, hier kommt es zum Clash zwischen Mutter und Vater/Eltern des Vaters tragen zur Spannung bei. Besonders die Großeltern, die gelassen und besonnen auf die Geschehnisse reagieren und alles tun, um die Situation „zu überstehen“, verleihen der Geschichte eine gewisse Authentizität, aber auch diesen Grusel. Den merkwürdig sind sie von der ersten Sekunde an. Der Film gewinnt im letzten Abschnitt an Unterhaltungswert, da die Handlung Fahrt aufnimmt und faszinierende Entscheidungen trifft (hier möchte ich nicht so sehr ins Detail gehen).

Dennoch gibt es einige Probleme, die den Film schon etwas beeinträchtigen. Wiederholte Verwendung von unrealistischem Verhaltensweisen und fragwürdige Entscheidungen (sind irgendwie generelle Erscheinungen bei Horrorfilmen – ich vermisse hier eine Logik). Ein weiterer Nachteil ist der gemessene und zurückhaltende Ansatz des Films, der auf Dialog und Geheimnisse setzt. Dies mag nicht für alle Zuschauer aufregend sein, da es an spektakulären Effekten und Horrorszenen irgendwie mangelt. Diese Subtilität in der Inszenierung kann aber durchaus auch Willkommen sein. Es ist immer die Frage, was man will und von einem Film erwartet. Ich empfand es an dieser Stelle, weil eben die Schwerpunkte anders gesetzt sind, als gut.

.FAZIT.

Viele gute Ansätze, eine Auffrischung des Werwolf-Mythos gepaart mit Coming-of-Age-Elementen und für seine Verhältnis vergleichsweise unblutig: Wolfkin ist der etwas andere Horrorfilm, den man vielleicht so nicht erwartet hätte. Für diejenigen keine Lust auf eine Blutorgie haben und eher auf subtilen und tiefgründigeren Grusel stehen, haben hier genau das richtige Futter für Halloween an der Hand. Nichtsdestotrotz fehlt des dem Film an Tempo. So plätschert der Film hier und da auch mal so ein wenig dahin, was ich per se sehr schade finde.



OriginaltitelKommunioun
Produktionsland/-jahrLuxemburg, Belgien 2022
Laufzeit90 min
GenreDrama, Horror, Fantasy
RegieJacques Molitor
DrehbuchRégine Abadia, Jacques Molitor, Magali Negroni
KameraAmandine Klee
Kino
Home Entertainment3. November 2023
VerleihTiberius Film

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