DIE VORKOSTERINNEN | Ein stilles Meisterwerk über Schuld, Macht und weibliche Solidarität

Nach dem auf wahren Begebenheiten beruhenden italienischen Bestsellerroman inszenierte Regisseur Silvio Soldini mit DIE VORKOSTERINNEN einen mitreißenden Film über weiblichen Widerstand in einem bisher kaum bekannten Kapitel der NS-Diktatur.

.INHALT.

Herbst 1943: Berlin wird bombardiert und die junge Rosa Sauer (Elisa Schlott) flüchtet ins ländliche Ostpreußen, während ihr Mann als Soldat an der Ostfront kämpft. In der Nähe des Dorfes befindet sich jedoch Hitlers Hauptquartier „Wolfsschanze“: Rosa und andere Frauen werden von der SS zwangsrekrutiert und müssen als Vorkosterinnen für die Mahlzeiten dienen, die Hitler hier serviert werden. Die Situation eskaliert, als im Sommer 1944 das Attentat von Stauffenberg fehlschlägt und drakonische Maßnahmen die Folge sind. Den Frauen wird gewahr, dass das nächste Attentat auf Hitler vielleicht mit Gift erfolgen könnte und sie in Lebensgefahr schweben – zumal die rote Armee immer näher rückt. Als Rosa erfährt, dass eine der Frauen Jüdin ist, muss sie einen Weg finden, sich und ihre Freundin vor dem sicheren Tod zu retten.

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.KRITIK.

Im Herbst 1943 wird die junge Berlinerin Rosa nach Ostpreußen geschickt, um bei den Eltern ihres Mannes Zuflucht zu finden. Doch statt Sicherheit erwartet sie eine gefährliche Aufgabe: Als eine von mehreren Frauen muss sie täglich Hitlers Speisen vorkosten, um mögliche Vergiftungen zu verhindern.

Regisseur Silvio Soldini inszeniert mit DIE VORKOSTERINNEN ein intensives Historiendrama, das die Schrecken des Zweiten Weltkriegs aus einer selten beleuchteten Perspektive zeigt. Die klaustrophobische Atmosphäre der Wolfsschanze und die ständige Bedrohung durch den Tod verleihen dem Film eine beklemmende Spannung.

Elisa Schlott überzeugt in ihrer Rolle als Rosa, die zwischen Pflichtbewusstsein und dem Wunsch nach Selbstbestimmung hin- und hergerissen ist. Die Beziehungen zwischen den Frauen, geprägt von Solidarität und Misstrauen, stehen im Mittelpunkt. Die Kameraarbeit von Renato Berta fängt die düstere Stimmung und die Enge der Situation eindrucksvoll ein. Besonders hervorzuheben ist die Szene, in der die Frauen schweigend am Tisch sitzen – ein Bild, das an das letzte Abendmahl erinnert und die Absurdität ihrer Lage unterstreicht.

Kritiker loben die sensible Darstellung der weiblichen Erfahrung im Krieg. So beschreibt Silenzio in Sala den Film als „kraftvollen Beitrag, der die weibliche Erfahrung in Kriegszeiten sensibel und eindringlich auf die Leinwand bringt“. Auch Movieplayer.it hebt hervor, dass Die Vorkosterinnen „ein hochaktueller Film“ sei, der die Dynamiken von Macht und Unterdrückung eindrucksvoll darstellt.

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. epd Film bemängelt, dass der Film „spätestens ab der Hälfte gnadenlos die Kolportage“ bediene und die Handlung dadurch an Tiefe verliere. Dennoch bleibt Die Vorkosterinnen ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte aus weiblicher Sicht.

.FAZIT.

Die Vorkosterinnen ist ein eindringlicher Film, der die Grausamkeiten des Krieges durch die Linse der weiblichen Erfahrung beleuchtet. Trotz einiger Schwächen in der Erzählstruktur bietet er einen wichtigen und selten gesehenen Blick auf die Rolle der Frauen im Schatten der nationalistischen Machtordnung.



OriginaltitelLe assaggiatrici
Produktionsland/-jahrItalien, Belgien, Schweiz 2025
Laufzeit123 min
GenreDrama
RegieSilvio Soldini
DrehbuchRosella Postorino (Buch), Doriana Leondeff,
Silvio Soldini
KameraRenato Berta
Kino29. Mai 2025
Home Entertainment25. September 2025
VerleihBusch Media Group

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