COLD STORAGE | Wer hat den Kühlschrank offen gelassen?

Wer hätte gedacht, dass Kontrollverlust so sympathisch sein kann: Mutierte Organismen, ein bisschen Chaos und Figuren, die zwischen stoischer Coolness und sympathischem Chaos pendeln – COLD STORAGE ist perfekt für alle, die gern mehr sehen als nur das Blut.

.INHALT.

Für Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell) beginnt die wildeste Nachtschicht ihres Lebens, als in dem Self-Storage-Laden, in dem sie arbeiten, ein mysteriöser Pilz-Parasit ausbricht. Der hochgefährliche Mikro-Organismus stammt aus einer versiegelten Militärbasis unter dem Gebäude – ein Relikt geheimer US-Experimente, das jahrzehntelang unter Verschluss war. Doch jetzt breitet es sich rasend schnell aus und verwandelt Menschen wie Tiere in zombieähnliche Kreaturen. Die Zeit läuft ab – und es liegt nun an Teacake und Naomi mit Hilfe eines in die Jahre gekommenen Anti-Bioterror-Agenten (Liam Neeson), die Menschheit vor ihrem Untergang zu bewahren.

©️ STUDIOCANAL

.KRITIK.

COLD STORAGE ist einer dieser Horror-Thriller, bei denen man nach fünf Minuten merkt, dass es eigentlich nicht um das geht, was auf der Oberfläche passiert. Ja, da ist eine biologische Bedrohung. Ja, da sind Menschen, die versuchen zu überleben. Aber in Wahrheit ist das hier eine Parabel auf Kontrolle, Verdrängung und das ewige Scheitern des Menschen an seiner eigenen Hybris. Oder zumindest rede ich mir das ein, während im Hintergrund jemand panisch vor einem mutierten Organismus davonläuft, um am Ende doch wie ein Luftballon zu platzen.

Der Film operiert im Spannungsfeld zweier Archetypen: Auf der einen Seite der stoische Veteran – eine Figur, die gerne zum Hörer greift und die man aus dutzenden Liam-Neeson-Actionfilmen schon auswendig kennt. Der Mann, der zu viel gesehen hat, zu wenig sagt und trotzdem alles immer weiß. Er steht hier sinnbildlich für die alte Welt: Rationalität, Verantwortung, „Ich regel das“. Auf der anderen Seite der charmante, leicht überforderte Everyman – mit dieser Joe-Keery-haften Coming-of-Age-Energie. Ein Typ, der eigentlich noch mitten in der Selbstfindung steckt, plötzlich aber mit apokalyptischen Pilzsporen konfrontiert wird. Dabei wollte der Junge doch ohne großen Aufwand bei der Arbeit chillen.

Cold Storage versucht klug, diese beiden „Typen“ zu verschränken. Das Ergebnis ist nicht immer perfekt austariert – manchmal wirkt der Film, als könne er sich nicht entscheiden, ob er existenzielles Bedrohungsszenario oder ironisch gebrochener Creature-Thriller sein will. Doch genau in diesem Schwanken liegt durchaus auch sein Reiz. Der Horror ist funktional, teilweise angenehm unangenehm inszeniert, aber nie zum Selbstzweck. Stattdessen geht es immer wieder um das, was zwischen den Figuren passiert: Vertrauen, Schuld, Verantwortung, irgendwie Überleben.

Visuell bleibt alles bewusst reduziert. Enge Räume, sterile Umgebungen, viel Grau – als wolle der Film sagen: Die wahre Kälte liegt nicht im Titel, sondern im System, das diese Bedrohung überhaupt erst möglich gemacht hat. Ist das überinterpretiert? Natürlich. Aber Cold Storage lädt genau dazu ein.

Nicht jede Wendung sitzt, und dramaturgisch wirkt manches etwas konstruiert. Dennoch bleibt ein Film, der klüger sein will, als er müsste – und dabei zumindest interessanter wird, als er auf dem Papier klingt. Und mal ehrlich: ganz so abwegig ist dieses Szenario nun wirklich nicht.

.FAZIT.

Cold Storage ist kein Meisterwerk der existenziellen Angst, aber ein erstaunlich reflektierter Genrebeitrag, der zwischen stoischer Action-Ethik und sympathischer Coming-of-Age-Unsicherheit pendelt. Nicht ganz rund, aber definitiv unterhaltsam.



OriginaltitelCold Storage
Produktionsland/-jahrFrankreich, Marokko, Mexiko 2026
Laufzeit99 min
GenreHorror, Komödie, Thriller
RegieJonny Campbell
DrehbuchDavid Koepp
KameraTony Slater Ling
Kino19. Februar 2026
Home Entertainment21. Mai 2026
VerleihSTUDIOCANAL

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