GODZILLA | Ein großes Missverständnis

Während sich die Ära von Godzilla in Japan allmählich dem Ende neigte, versuchte Hollywood in Gestalt von Roland Emmerich 1998 seine eigene Adaption der Riesenechse auf die Leinwand zu bringen. Das Ergebnis: zwiegespalten!

.INHALT.

Ein lautes Brüllen, schwere Schritte, die die Erde erschüttern lassen: Godzilla, eine nach französischen Atomversuchen zum Monster mutierte Echse, hält Einzug in New York und hinterlässt eine Spur unvorstellbarer Verwüstung. Das Militär ist machtlos gegen die Urgewalt des übermächtigen Gegners, selbst Raketen perlen an Godzilla ab wie Wassertropfen. Während die unverzagte Schlacht gegen die todbringende Kreatur immer wütender entbrennt, machen der Biologe Nick (Matthew Broderick) und der französische Geheimagent Roache (Jean Reno) die furchterregende Entdeckung, dass Godzilla Manhattan nicht zufällig angesteuert hat. Hinter seiner Wut lauert eine viel größere Gefahr. Eine Gefahr, die das Ende der Welt bedeutet, wenn nicht sofort gehandelt wird…

© Sony Pictures Entertainment

.KRITIK.

Mittlerweile müsste man mitbekommen haben, was für ein großer Fan ich von Godzilla bin. Ich bin recht früh mit der mutierten Riesenechse in Verbindung gekommen und habe ein Herz für die japanischen Filme. Allein der Umstand, mit welchem Aufwand Miniaturstädte nachgebaut wurden und mit wie viel Leidenschaft Menschen in Gummianzügen gegeneinander gekämpft haben, ist schon enorm kultig.

Auch die neueren Interpretation die 2014 mit Gareth Edwards Film begann, über Kong: Skull Island (2017) und Godzilla 2: Kino of the Monsters (2019) führten und schließlich in einem gigantischen Schlagabtausch zwischen Godzilla und Kong (2021) erstmal endeten, haben mich auf ganzer Linie begeistert. Inhaltlich waren alle Filme – abgesehen vom Ur-Godzilla 1954 – überschaubar. Aber sie machen nur Spaß und die Einspielergebnisse lassen sich ebenfalls sehen. Doch in diesem Wust an Godzilla-Streifen, hat sich Hollywood Ende der 90er gedacht: „Wir machen eine völlig eigene Version.“

Nach dem sensationellem Erfolg von Independence Day 1996 wollte man unbedingt Roland Emmerich für den Film gewinnen. Erstaunlicherweise wollte der aber zunächst nicht. In harten Verhandlungen konnte man ihn schließlich überzeugen und der Anfang eines großen Missverständnisses war geboren. GODZILLA macht sich in New York breit – ja. Es ist wieder einmal New York. Die mutierte Riesenechse hat sich Manhatten als gemütlichen Nistplatz ausgesucht, zum Leidwesen der hiesigen Bevölkerung.

Lange hatte ich eine Phase, da fand ich den Film gut, dann nahm die Begeisterung ab und nun lote ich wieder aus, wie ich den Godzilla finde. Der Film ist an für sich wieder mal eine Dauerwerbesendung für das Militär. Hurra-Patriotismus an allen Ecken und Enden – wenngleich diese erstmal keine gute Figur machen. Auch so wirkt der Film sehr oberflächlich und dumm. Einzig die Chemie zwischen den Schauspielern, die nicht selten enorm komisch ist, werten das Ganze ziemlich auf. Vor allem Matthew Broderick und Jean Reno sind irgendwie cool. Der Wissenschaftler, der eine gruselige Vorahnung hat und der mysteriöse Franzose, der auf Schadensbegrenzung aus ist. Das funktioniert. Auch die Action und Effekte sind für diese Zeit ansehnlich. Was mich doch tatsächlich am meisten stört: Diese Film darf nicht Godzilla heißen. Godzilla ist ein Kulturgut. Kult, Legende und das größte Filmmonster aller Zeiten. Hätte man dem Film einen anderen Einschlag und Hintergrund geschenkt, statt den Namen derartig zu besudeln, hätte ich dies weitaus besser gefunden. Nicht ohne Grund haben sich die Japaner einen Spaß daraus gemacht und Roland Emmerichs Godzilla in einem direkten Kampf mit dem Original-Godzilla ziemlich alt aussehen zu lassen. Die Japaner haben aus ihm Zilla und Kleinholz gemacht.

Es ist irgendwie auch ein Guilty-Pleasure-Film. Man liebt und hasst ihn gleichzeitig. Als Kind fand ich ihn cool, jetzt mittlerweile tue ich mich damit doch schwerer, zumal ich eben alles über die Riesenechse weiß und das passt hier so gar nicht rein.

.FAZIT.

Godzilla ist eine Hassliebe. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Er hat seine Momente, leider ist dieser Film ein Paradebeispiel dafür, wie Hollywood alles und jedem seinen Stempel aufdrücken will. Nimm einen guten Stoff, amerikanisiere ihn, hau ordentlich Militär rein und zerstöre eine symbolträchtige Stadt wie New York. Emmerich hätte tatsächlich einen Bogen darum machen müssen. Aber egal, wer sich an diesen Film gewagt hätte, hätte eigentlich nur verlieren können. Ein Blockbuster, der aus heutiger Sicht nicht mehr als eine Randnotiz in der Vita von Godzilla ist.



OriginaltitelGodzilla
Produktionsland/-jahrUSA, Japan 1998
Laufzeit139 min
GenreAction, Thriller, Science-Fiction
RegieRoland Emmerich
DrehbuchRoland Emmerich, Dean Devlin
KameraUeli Steiger
Kinostart10. September 1998
Home Entertainment26. Februar 2002 (DVD)
VerleihSony Pictures Entertainment

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