INDEPENDENCE DAY | „Das nenn‘ ich eine unheimliche Begegnung“

Roland Emmerichs erster Weltzerstörung: INDEPENDENCE DAY gehört mittlerweile zu den größten Sci-Fi-Klassikern und besitzt unter Kennern auch einen gewissen Kultstatus. Nicht zuletzt auch wegen der schlagfertigen Dialogszenen und Onelinern wie „Willkommen auf der Erde“. Wir schauen nochmal auf den bislang erfolgreichsten Film des Deutschen und ordnen ihn ins aktuelle Filmgeschehen ein.

.INHALT.

Wissenschaftler empfangen ein Signal aus dem All, dessen Quelle nur unweit von der Erde entfernt ist. Kurz darauf wird der Regierung klar, dass sich eine gewaltiges Raumschiff zielsicher auf den blauen Planeten zu bewegt. Der Fernsehtechniker David Levinson (Jeff Goldblum) analysiert das außerirdische Signal und kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Es handelt sich um eine Art Countdown innerhalb der Kommunikation zwischen den Alienschiffen, die sich mittlerweile direkt über den größten Städten des Planeten positioniert haben. David nutzt den verbleibenden Kontakt zu seiner von ihm getrennt lebenden Frau Margaret (Constance Spano), die mittlerweile einen Posten als Sprecherin des US-Präsidenten (Bill Pullman) innehat, um diesen über seine Entdeckung in Kenntnis zu setzen und ihm nahe zu legen, die Städte sofort evakuieren zu lassen. Der will zunächst einmal nicht ausschließen, dass die Besucher auch in friedlicher Absicht unterwegs sein könnten, wird aber spätestens nach Ablauf des besagten Countdowns eines Besseren belehrt. Jetzt liegt es an den letzten verbliebenden Einsatzkräften, darunter Captain Steven Hiller (Will Smith), sich den Invasoren entgegenzustellen.

© 20th Century Studios Home Entertainment

„Willkommen auf der Erde, Arschloch!“

CAPTAIN Steven Hiller (WILL Smith)

.KRITIK.

Im Jahr 1996 war Will Smith wahlweise Fresh Prince und Bad Boy. Sein Image als cooler Actionheld steckte noch in den Kinderschuhen. Roland Emmerich war überzeugt von Smith Talent und besetzte ihn selbstbewusst in der Hauptrolle – gegen den Willen der Produzenten, die einen schwarzen Hauptdarsteller eine so großen Auftritt nicht zutrauten. Der Rest ist bekanntlich eine Erfolgsgeschichte.

INDEPENDENCE DAY machte Will Smith endgültig zu Hollywoods Superstar und Roland Emmerich zu einem gefeierten Weltenzerstörer. Für beide wurde Independence Day zum Karriere-Booster und für eine ganze Generation der kitschige Alien-Film, den wir bis heute so sehr lieben. Präsidenten ziehen befreit von jeglicher Angst selbst in den Kampf gegen die Feinde, einfache Computerviren sorgen für den außerirdischen Niedergang und die legendäre Area 51 bekommt ein Gesicht, von den „niemand“ tatsächlich wusste. Independence Day ist der Inbegriff des Blockbusters und Emmerichs bis dato kommerziell erfolgreichster Film. Über 800 Millionen US-Dollar spielte der Film weltweit an den Kinokassen ein. Bei einem überschaubaren Budget von 75 Millionen US-Dollar ein Hit, von dem heutzutage viele Regisseure nur träumen können.

Emmerich baute dabei auf relativ einfache Tricktechniken, wie auch Behind-the-Scene-Material des Öfteren belegt. Ein guter Kosten-Nutzen-Faktor, der diesen Film seinen unvergleichlichen Charme verleiht. Die Massenzerstörung sucht bis heute ihresgleichen. Effektiv und eindrucksvoll zerlegt der Deutsche die Metropolen der Welt. Los Angeles, New York, Paris und viele weitere Städte werden von der Landkarte gestrichen. Und da war es, dieses unangenehme Gefühl: Was wäre wenn? Welche Chancen hätten wir tatsächlich gegen einen übermächtigen Gegner aus einer fernen Galaxie? Independence Day ist schon besonders. Manche würde ihn auch als Guilty-Pleasure-Film bezeichnen. So würde ich ihn auch für mich einordnen, dabei finde ich ihn grundsätzlich enorm lässig und cool. Vor allem die Dialoge und Oneliner sind legendär, auch wenn sie von dem besagten Kitsch begleitet werden. Aber der Film funktioniert in seinem ganzen Ausmaß. Für 1996 war der Film genau das, was die Zuschauer wollten: Popcornkino.

Independence Day revolutionierte die Sci-Fi-Katastrophen und etablierte für Emmerich einen eigenständigen Berufszweig. Geboren war der Master of Disaster. Er ebnete viel, doch kein anderer Film des gebürtigen Stuttgarters kam an diesen Erfolg heran. Auch die Fortsetzung Independence Day: Wiederkehr konnte daran nicht anschließen. Ich fand ihn tatsächlich unterhaltsam, doch war der Charme der ersten Schlacht verflogen.

[ Zum Nachlesen: Schlecht gelaunte Aliens auf Rachefeld zu in Independence Day: Wiederkehr ]

Zu überfrachtet und unausgereift, obwohl die Reise hier hätte nicht enden müssen. Ob tatsächlich die Trilogie vollendet wird, steht in den Sternen. Doch wir können mit dem Spaß haben, was wir bereits haben. Independence Day ist für mich Kult und hat meine Liebe zu exorbitanten Katastrophen und Alien-Invasionen geprägt. Auch wenn Emmerichs Glanzzeiten wohl vorbei sind, so dürfen wir niemals vergessen, welche Filme uns am Ende des Tages nicht nur massiv zum Lachen gebracht haben. 2012 oder The Day After Tomorrow haben etwas losgetreten. Und seien wir mal ganz ehrlich: Wer hatte nach diesen Filmen nicht wenigstens ein bisschen Sorge und Angst? Vielleicht klingt Emmerich nochmal der große Wurf. Dafür fehlt es Moonfall an einigen Ecken. Es bleibt der routinierte Weltuntergang. Aber was kommt danach?

.FAZIT.

Independence Day ist ein Film für sich. Roland Emmerichs Geniestreich mit einfachsten Mitteln zum maximalen Erfolg. Ein Sci-Fi-Kultklassiker, der noch heute wunderbar funktioniert und seine Daseinsberechtigung hat. Ich liebe es einfach. Die Dialoge, die Szenen, die Schlachten, die Zerstörung. Das macht einfach nur Spaß und schaut sich trotz üppiger Spielzeit glänzend weg. Nicht ohne Grund Emmerichs bis dato erfolgreichster Film.



OriginaltitelIndependence Day
Produktionsland/-jahrUSA 1996
Laufzeit145 min
GenreAction, Abenteuer, Science-Fiction
RegieRoland Emmerich
DrehbuchRoland Emmerich, Dean Devlin
KameraKarl Walter Lindenlaub
Kinostart19. September 1996
Home Entertainment20. März 1997
Verleih20th Century Studios Home Entertainment

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